©D.Baranyai
Anita Harag
Writer in Residence im Februar / Ungarn
Anita Harag wurde in Budapest geboren. Für ihr gefeiertes Erzähldebüt Es ist zu kühl für diese Jahreszeit wurde die Autorin mit dem György Petri-Preis (2018) und dem Péter Horváth-Literaturstipendium (2019) ausgezeichnet.

Still und dann wieder schräg, traurig und aufmüpfig, poetisch und dann wieder ganz kühl – Anita Harag legt dem Genre der Short Story alle Ehre ein und verbindet die einzelnen Geschichten zu einem pulsierenden Gewebe, das ein Mit-Fühlen evoziert und keine platte Abbildung der Alltagsrealität darstellt, denn unter den Routinen der Erzählerinnen lauern Ängste und Schmerz – aber auch Sehnsucht und Stärke brechen sich Bahn.

Nóra konnte sich nur schwer beherrschen, sie nicht anzubrüllen, obwohl sie nicht genau hätte sagen können, warum ihr danach war. Sie nannte sie nicht mehr Großmutter, seit diese in ihrer Kindheit auf ihre drei Wochen alte Katze getreten war. Schon immer hatte es diese gegenseitige Abneigung gegeben. Wenn ihre Großmutter am Zebrastreifen ihre Hand anfassen wollte, zog Nóra sie weg.
(Aus: Es ist zu kühl für diese Jahreszeit, Stories, Schöffling 2022; aus dem Ungarischen von Timea Tankó)
Lesung Anita Harag

15. Februar, 19 Uhr
Collegium Hungaricum Wien
Eintritt frei