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Transflair: Gesellschaften im Umgang mit der Natur und anderen ­Außenseitern
Donnerstag, 19. November 2020
Der Umgang mit der Natur und mit anderen "Außenseite(r)n" war vom Anfang menschlicher Gesellschaft an eines der gewichtigsten Themen des Erzählens, der Sprachkunst sodann. Die Bandbreite reicht von Ursprungsmythen bis zu Untergangsvisionen. In der heutigen Situation hat sich die Frage zugespitzt, wie die Menschheit mit der Erde und die Natur mit dem Menschen verfährt. Woher kommen wir, wer sind wir, wohin gehen wir - darüber lesen und sprechen Sabine Gruber, Kurt Kotrschal sowie Fahim Amir.

Was sagt uns die Evolutionsgeschichte? Vermögen wir dem zerstörerischen Wahnsinn noch zu entkommen? Und: Wie kann Literatur davon erzählen? Diese Frage verfolgt Moderator Klaus Zeyringer auch als Herausgeber des Bandes Gesellschaften im Umgang mit der Natur und anderen Außenseitern.

Fahim Amir
Die Lobpreisung der Ratte als AntiKünstlerin, als Kunstsaboteurin, als Zerbeißerin von Bedeutung verdankt sich möglicherweise ihrer Vorliebe für Papier als materiellem Träger von Text. Ihr Appetit auf Druckwerke prädestinierte sie zur praktischen Kritikerin der Bibliophilie - Marx überließ bekanntlich das unveröffentlichte Manuskript der Deutschen Ideologie aus freien Stücken ihrer "nagenden Kritik". Sie war in der Lage aus individuellen Privatbibliotheken, aber auch aus den materiellen Archiven der Menschheit eine flüchtige Angelegenheit zu machen.
(Aus: Rat Modern, in: Gesellschaften im Umgang mit der Natur und anderen Außenseitern, Edition Aramo 2020)


Sabine Gruber
Wir müssen am Abend den Dienstwechsel abwarten, habe ich heute Mittag zu Wulst gesagt. Wenn der eine Pfleger sich verabschiedet und der andere noch im Stationszimmer mit dem Lesen der Tagesberichte beschäftigt ist, mußt du meine Gurte lösen. Hast du zugeschaut? Wulst lag reglos da, es sah so aus, als verstünde er nicht, was ich sagte. Daß er die Tabletten abends nach wie vor ins Klo spuckt, beweist das Gegenteil und gibt mir Hoffnung.
(Aus: Wulst, in: Gesellschaften im Umgang mit der Natur und anderen Außenseitern, Edition Aramo 2020)


Kurt Kotrschal
widmet sich in seinem neuen Titel Mensch. Woher wir kommen, wer wir sind, wohin wir gehen (Brandstätter 2019) erneut der Frage, wie wir zu dem geworden sind, was wir heute sind. "Kurt Kotrschal bezieht Position - und rückt unser Selbstbild nachhaltig zurecht. Es geht ihm um eine neue, differenzierte und realistische Gesamtschau der Natur des Menschen. Und schlussendlich auch um dessen bedenkliche Zukunft, wenn er sich weiter so verhält, wie er sich verhält." (Ö1, Sendereihe Gedanken, Oktober 2019)
Lesung & Gespräch
ORT:
Museum NÖ
Kulturbezirk 5, St. Pölten
BEGINN: 19.00 Uhr
EINTRITT: frei, nur mit Voranmeldung
In Kooperation mit Treffpunkt Bibliothek